Shame Sanctions – Wiedergeburt der Schandstrafe?

umschlag juengel
Art-Nr.: 9783981346114
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Beschreibung:

Schandstrafen stehen heute sinnbildlich für ein archaisches, auf Rache und Sühne ausgerichtetes mittelalterliches Gräuelstrafrecht. Schon dieser Befund kann mit Recht bezweifelt werden. Aber unabhängig davon erfreut sich der Begriff der „Anprangerung“ bzw. des „Prangers“ in der Diskussion um gesetzgeberisch verordneter Publizität mittlerweile mitunter großer Beliebtheit. Aus den USA hören wir gleichzeitig immer wieder von scheinbar obskuren Strafpraktiken, deren Ähnlichkeit zum mittelalterlichen „Pranger“ regelmäßig betont wird. Die Verfechter dieser Praktiken sehen dagegen eine effektive alternative Sanktion, die der Sozialkontrolle viel besser dienen soll, als die ohnehin schon überfüllten Gefängnisse.

Die Fragen häufen sich: Erleben wir mit den shame sanctions tatsächlich eine „ewige Wiederkehr des Gleichen“ oder ist der Vergleich nur oberflächlich zutreffend? Zur Beantwortung dieser Frage soll in dem vorliegenden Werk eine möglichst umfassende Darstellung der Schand- und Ehrenstrafen angestellt werden, die nicht nur die gesellschaftspolitischen Aspekte der entsprechenden Zeit, sondern auch die rechtspolitischen und rechtsphilosophischen Hintergründe dieser Sanktionen einbezieht. Insbesondere soll auch die bislang kaum untersuchte Geschichte der Schandstrafen des 20. Jahrhunderts in den Blick genommen werden. Nur so wird sich dieses Phänomen sowie seine vermeintliche Wiederkunft umfassend erklären lassen.

Gleichzeitig hat aber vor allem die Gesetzgebung auf europäischer Ebene und auch in Deutschland zu einer Zunahme von Publizitätstatbeständen geführt, die von ihrern Kritikern gerne als „Pranger“ bezeichnet werden. Aber sind diese Maßnahmen wirklich vergleichbar? Unabhängig davon steht de lege lata ein gewichtiger Unterschied zum „Pranger“ jedenfalls fest: Während dieser von Rechts wegen eine „Strafe“ darstellte, stellen unsere heutigen Regelungen Maßnahmen der Gefahrenabwehr oder Regelungen sui generis, jedenfalls aber keine „Strafen“ dar. Auch dieser Umstand wurde bislang kaum untersucht. Der zweite Schwerpunkt der Untersuchung soll sich daher den Fragen widmen, was „Strafe“ ist, „ob“ und „wie“ sich diese materiell bestimmen lässt und wie sich die „Strafe“ in das Gesamtsystem belastender Reaktionsnormen einfügt.

Marc Jüngel, Jahrgang 1979, studierte Rechtswissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Im Oktober 2010 schloss er das Promotionsverfahren zum Thema „Shame Sanctions – Wiedergeburt der Schandstrafe?“ ab.

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